Was ist Trauer:
Haferfeld
Trauer ist der Schmerz, der sich einstellt, wenn man von einem geliebten Menschen
Abschied nehmen musste.


Wenn man Abschied nehmen muss von einem Menschen, den man bedingungslos geliebt hat, wie das in der Liebe zu unseren Kindern der Fall ist, dann kommt ein riesengrosser Schmerz Hand in Hand mit dem Erfassen des Geschehenen, ein Schmerz, der alles bisherige in den Schatten stellt, der sich wie ein einziger innerlicher Schrei anfühlt.
Man ist fassungslos, erschüttert, verzweifelt, innerlich leer, und meist alles davon gleichzeitig....Wie in Trance tappt man durchs Leben, als ob die Zeit auf ewiglich stehen geblieben ist und alle ehemals wichtigen Orientierungspunkte verschwimmen in einem grauen Nebel, der sich wie ein Schleier über die Gegenwart legt.

Es ist, als ob man sehend blind, hörend taub, sprechend stumm ist.....

Trauer ist der Platz im Herzen,
wo auf immer ein Daheim ist für diesen Menschen.

Egal, welcher Lebensphilosophie, welchem Glauben man folgt, der Abschied vom geliebten Kind ist vor allem ein physischer, denn diese Stelle in unserem Herzen, wo es schmerzt, wo unsere Seele weint, da darf dieses Kind ohne Einschränkungen, ohne Zweifel auf immer bleiben.

Was auch immer geschehen mag, die Erinnerung wird nicht verblassen, und wir können diesem Kind in uns drinnen ein neues Zuhause geben, wo wir mit ihm reden können, wo wir es spüren, wo all die kostbaren Momente Platz haben und vor dem rauhen Alltag geschützt sind.

Trauer ist der Weg, zu einer neuen Realität zu gelangen,
wenn die alte verloren ging.

Im Moment, wo ein Kind stirbt, verliert man seine Lebensträume, seine Hoffnungen, seine Lebensansichten und ist fern der Realität.
Mit dem Kind stirbt die Zukunft, so wie man sie sich erträumt hat und jeder Gedanke an ein Morgen erinnert unerbittlich daran, dass es diese Zukunft, wie man sie sich erdacht hat, nicht geben wird.
Nur durch die Trauer, diesem bewussten Auseinandersetzen mit dem Verlust kann es uns gelingen, dieses Schicksal anzunehmen.
Durch die Trauer erlebt man seine Seele ohne Maske, ohne falsche Hoffnung, nackt und kümmerlich. Wenn wir unser ganzes Leben stillstehen lassen, nichts verändern wollen, die Erinnerungen an unser Kind " einfrieren" wie ein Standbild beim Videorecorder, dann kann der Trauerprozess nicht beginnen.

Wenn wir uns die neue Realität ohne unser Kind vor Augen halten, können wir beginnen, uns auf den Trümmern ein neues, anderes Leben aufzubauen. Manch einer mag uns sagen " das Leben geht doch weiter", und er hat irgendwo recht - und gleichzeitig vollkommen unrecht, denn wir können nicht dort anknüpfen, wo wir vor dem grossen Schock aufgehört haben, die Voraussetzungen sind ganz anders, es ist nichts mehr wie es einmal war.

Den einen gelingt dies allein für sich, denn anderen in einer Selbsthilfegruppe, der dritte sucht fachliche Hilfe bei einem Psychologen - jeder Weg ist richtig, wenn er zum Ziel führt und für jeden ist dieser Weg ein anderer.
Doch für jeden gibt es einen Weg, dieser unendlichen Trauer in seinem Leben einen Platz zu geben und sich mit ihr zu arrangieren.

Trauer ist für jeden anders und hat tausend Gesichter.

Es gibt viele Arten zu trauern, aber es gibt keine falschen !!!
Der eine weint und schluchzt tagelang und kann nimmermehr aufhören, ein anderer schliesst sich ein und will nichts sehen und hören, der dritte stürzt sich in Beschäftigung und gönnt sich keine ruhige Minute, die einen wollen reden, reden, reden, anderen kommt kein Wort über die Lippen, es gibt der Bilder viele...

Die Trauer ist kein gerader Weg, sondern wie ein Meer, manchmal ruhig und dann stürmisch, manchmal flach und manchmal unergründlich tief. Es gibt viele Wellenberge und -täler, welche die Trauerarbeit begleiten, bessere und schlechtere Tage, und oft erkennt man im Rückblick gewisse Phasen, wo man viel reden wollte, Phasen, wo man nicht davon reden konnte, Phasen der Verdrängung und der Verzweiflung.
Diese Wege der Trauer sind bei jedem Menschen anders, denn jeder Mensch ist einzigartig, jedes Kind ist einzigartig, wie soll es da eine Trauer geben, die für alle gleich ist.

Trauer lässt sich nicht messen oder werten.

Ist es schlimmer, ein Kind zu verlieren, dass man noch nie lachen gehört hat, welches man noch nie atmen gesehen hat, weil es noch nicht bereit war für die Welt ...
...oder ist es schlimmer, ein Kind zu verlieren durch Krankheit, wo dem Sterben eine kurze oder lange Leidenszeit vorausgegangen ist...
...oder ist es schlimmer, ein Kind durch einen Unfall oder ein Unglück zu verlieren, von einer Minute zur andern...
... oder ist es schlimmer, ein Kind gehen lassen zu müssen, weil es selber das so wollte.... ???

Jede Art hat ihre eigene Tragik und die Bedeutung, die ein Kind in unseren Herzen hat, bestimmt die Trauer und die Gedanken, aber werten oder vergleichen lässt sich es nicht.

Es geht nicht darum, ob schlimmer oder nicht - es geht nur darum, dass es für jeden anders ist - und jeder seine ganz eigene Trauer hat, die nur er wirklich kennt.

Trauer ist nicht an Zeit oder Raum gebunden.

Trauer überfällt uns im Supermarkt an der Kasse, unter der Dusche, auf dem Friedhof, während des Spaziergangs, beim Bügeln, bei der Arbeit, morgens, mittags, abends oder nachts.

Es gibt keinen Zeitplan, wie die Trauer abläuft wie bei einer Erkrankung, wo in der Regel nach soundsoviel Tagen alles abgeheilt ist. Trauer hat ihre eigene Dynamik.
Auch wenn die Umwelt längst wieder zum Alltag übergegangen ist, hat unsere Trauer oft noch gar nicht recht begonnen, denn wenn wir zum Alltag zurückwollen, wird uns erst richtig bewusst, dass jetzt alles anders ist - und die Trauer bricht über uns herein wie eine Urgewalt.
Wir können uns dann vielleicht noch ein bisschen zusammenreissen, ablenken, beschäftigen, doch es kommt irgendwann hoch, gleichgültig wo und wann.
Es wird von uns erwartet, dass wir an der Beerdigung unserer Kinder traurig sind, dann noch einige Wochen Schonfrist haben und trauern dürfen, dann aber wieder voll funktionsfähige Mitglieder unserer Konsumgesellschaft sind . Aber so funktioniert es nicht und so stösst man häufig auf Unverständnis, wenn man nach Monaten oder Jahren mit Depressionen zu kämpfen hat oder vom Kind reden will..." die Zeit heilt alle Wunden" - " was wollt ihr denn, euch geht's doch gut" - " du kannst doch nicht ein Leben lang so weitermachen"
Doch gerade, wenn man am Anfang vieles verdrängt hat, weiter funktioniert hat, kommt das grosse Loch erst dann, wenn für alle anderen längst der Alltag wieder begonnen hat.
Und dann kann die Umwelt oft nicht nachvollziehen, warum man ein Jahr später deprimierter und trauriger ist als in den ersten Tagen, manche haben auch schon längst vergessen, was da geschehen ist.

Als Trauernder ist man froh, wenn man Menschen findet, die dieses dunkle Tal der Trauer auch durchschritten haben und dadurch wissen, wie wenig durchlebte Trauer mit dem Klischee-Bild der ( nicht betroffenen ) Öffentlichkeit zu tun hat.

Kerbelblüte

Trauer braucht Rituale

Wir sind für unsere lebenden Kinder verantwortlich und werden gebraucht und geliebt, unsere liebevollen Blicke begleiten ihre Wege, ein weinendes Kind nimmt man in den Arm und tröstet es, ein Himmelskind kann man nicht mehr umarmen....und doch lebt in uns die Sehnsucht, etwas für unser Kind zu tun, es im Arm zu halten, zu streicheln, zu verwöhnen - und all diese Gefühle sollen dann ins Leere laufen?
Um diese Lücke zu füllen, sollten wir uns Rituale schaffen, die uns das Gefühl geben können, doch noch etwas für unsere Himmelskinder tun zu können - das kann uns helfen, unsere Trauer zu verarbeiten und unserer ewigen Liebe Ausdruck verleihen.

Beispiele:

  • ein Foto aufstellen oder einen Gegenstand, denn wir mit unserem Himmelskind in Verbindung bringen und eine Kerze dazu anzünden und uns erinnern "heute haben wir die ersten Osterglocken gesehen"
  • ein Bäumchen pflanzen und das Wachsen und Gedeihen mit dem Himmelskind in Verbindung bringen " wie schön, Du hast uns Regen geschickt"
  • das Grab besuchen und unserem Himmelskind erzählen, was wir so tun - auch wenn es das wohl schon längst weiss
  • eine Geschichte / ein Gedicht / ein Tagebuch schreiben
  • eine Homepage erstellen
  • Bilder malen über die eigenen Trauergefühle, vom Himmelskind oder vom Leben früher
  • etwas kreatives herstellen für aufs Grab / auf die Gedenkstelle ( töpfern, schnitzen,malen, usw.)
  • täglich von unserem Himmelskind reden, auch mit Geschwistern und es so in unserem Alltag halten
  • Jahres- / Geburtstage begehen in einer stillen Art für sich selber

 

Trauer ist das Mittel, einen neuen, lebenswerten Alltag
ohne diesen Menschen zu finden.


Trauern, traurig sein, weinen, schreien, schweigen - all dies sind Wege, wie wir zurück ins Leben finden, ohne das geliebte Kind zu vergessen, sondern unser Leben mit ihm in einer andern Form weiter zu leben .
Es kann Monate oder Jahre dauern, bis die neue Realität ein Teil des Alltags geworden ist, bis man trotz der Tränen wieder Lebensfreude empfinden kann, doch ganz zu Ende ist er wohl nie...
Die Trauer hilft uns, unseren künftigen Lebensweg zu überdenken, die Ängste und Zweifel über den Tod des Kindes zu verarbeiten, doch dies ist Arbeit - schwere, traurige, mühsame, deprimierende Arbeit.
Schritt für Schritt tastet man sich zurück ins Leben, erschrickt über sein eigenes Lachen - wie kann ich jetzt einfach lachen, wo doch mein Sonnenschein nicht mehr da ist -, Tag für Tag lebt man weiter, fällt immer wieder mehr Schritte zurück als man vorwärts gekommen ist und weiter geht das Leben, der Trott, das Vorsich-Hinleben .....

... und irgendwann bemerkt man wieder Hoffnung in sich, kann Freude empfinden, kann die Erinnerungen willkommen heissen. Dann fühlt man sich bereichert durch die Trauer, weil sie einem neue Dimensionen des Denkens, des Fühlens nahegebracht hat.
Nichts ist mehr wie früher - aber es fehlt nicht allein das gestorbene Kind, sondern man selbst ist anders geworden. Die Spuren der Trauer und das Dasein des Kindes haben unwiderrufliche Veränderungen in der eigenen Seele vollbracht.

Es ist, als ob man sein Kind in Form von schönen, reinen Erinnerungen zurückbekommen hat, die Zweifel und Ängste wiegen nicht mehr so schwer wie die warmen Gefühle, man fühlt sich wieder glücklich, dass dieses Kind überhaupt da war, auch wenn man gleichzeitig immer traurig sein wird, dass es nicht mehr da ist.

Doch irgendwann ist man mit sich und seiner Trauer eins - man verschmilzt mit ihr......

 

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